Abeltânia de Souza Santos

Brasilien ist eines der führenden Länder in der Produktion und im Export von verschiedenen landwirtschaftlichen Produkten, wie z.B. Fleisch, Soja, Mais und anderer Getreidesorten. 2019 war Brasilien der weltgrößte Exporteur von Rindfleisch, das vor allem nach China aber auch in die EU exportiert wird. Auch bei Soja sind die größten Abnehmer China und die EU, in der EU wird es vor allem als Tierfutter verwendet.
Die brasilianische Vereinigung für den Export von Fleisch rühmt sich ob der Qualitätsstandards für das Fleisch. Nicht beachtet werden allerdings die Auswirkungen auf die Natur und die Menschen, die indigenen Völker, die Kleinbauern und -bäuerinnen, die oft mittels brutalster Methoden und gefälschter Dokumente von ihrem Land vertrieben werden. Unzählige Landkonflikte, bei denen es oft um große landwirtschaftliche Flächen geht, verursachen unsägliches Leid und die Ermordung von (vor allem) indigenen Führungspersönlichkeiten. Die Agrarindustrie zählt dabei auf die Untersützung der Regierung, die z. B. Umweltgesetze aushöhlt oder neue Forstgesetze verabschiedet, aber auch den Einsatz von unzähligen (474 Pestizide im Jahr 2019) erlaubt, die wohl auch in Zusammenhang mit den erhöhten Krebsraten in den Anbaugebieten stehen.
In den Monkulturen werden Unmengen von Wasser verwendet, das der ansäßigen Bevölkerung dann fehlt, 72 Liter von 100 werden laut der Agentur für Wasserwirtschaft und Landwirtschaft der UN in den großen Monokulturen verwendet, was weitere Konflikte zwischen den Großgrundbesitzern und der Landbevölkerung schürt.
Fleisch und Soja werden auch mit Hilfe von “sklavenhaften” Arbeitsverhältnissen erzeugt. In den letzten 28 Jahren konnte die Landpastoral rund 3400 Menschen aus solchen Arbeitsverhältnissen “befreien”, die vor allem in der Landwirtschaft und Viehzucht gearbeitet haben.
Es ist traurig, wenn man sich vorstellt, dass das Fleisch, das auf unseren Teller kommt, verflochten ist mit einer Geschichte des Unrechts, der Gewalt und eine Spur der Vernichtung der Natur mit sich trägt. In diesem Zusammenhang ist es gut, dass es Kampagnen gibt, die einen bewussten Konsum fördern, wie z.B. die Kampagne der indigenen Bevölkerung in Mato Grosso mit dem Slogan “Das Fleisch und das Soja aus Mato Grosso beinhalten Blut indigener Kinder.”. Diese und andere Kampagnen möchten die Gesellschaft aufrütteln und die Bundesstaaten auffordern, diese Logik des Marktes zu verändern, in der der Gewinn über dem Leben steht.
Abeltânia de Souza Santos, Pädagogin, Mitarbeiterin der Landpastoral, West-Bahia, Brasilien