Pamir Harvey

Ich bin in Indien geboren und die meisten Inder*innen ernähren sich fleischlos. In meiner Familie war meine Mutter strikte Vegetarierin und sie hat auch keine Eier gegessen. Bis zum 7ten Lebensjahr habe auch ich kein Fleisch gegessen. Alle zwei Jahre wurde in der Familie Hühnerfleisch gekocht und ein bis zweimal im Jahr gab es Fisch. Fleisch und Fisch wurden zwar in den 70er und 80er Jahre in Indien als unverzichtbar für die Ernährung angepriesen, aber kaum einer konnte sich regelmäßigen den Konsum von Fleisch oder Fisch leisten. Familien, die wöchentlich Fleisch aßen, galten als reich. In meinen Teenie-Jahren in den 80er Jahren gehörte das Essen von Fleisch fast schon zum pubertären und post-pubertären revoltieren. Als das keine große Aufregung bei meiner Mutter erzeugte, legte sich das auch bald.
Als ich nach Österreich kam, war ich vom großen Angebot an Fisch- und Fleischsorten überwältigt. Nichts desto trotz blieb ich nur Gelegenheitstäter beim Fleischkonsum. Als mir die ökologischen und politischen Hintergründe des Fleischkonsums bewusst wurden, fiel mir der Verzicht auf Fleisch sehr leicht (außer 1-2 Ausrutscher im Jahr). Nach einem DKA-Lerneinsatz auf den Philippinen im Jahr 2006 ließ ich dann den Fleischkonsum ganz sein und er geht mir bis heute auch nicht ab.
Fasten oder Verzicht ist in unserer Gesellschaft negativ konnotiert. Es wird mit Leiden und Mangel gleich gesetzt. Das hat auch seine Berechtigung. Für mich heißt Fasten oder Verzicht auch die Möglichkeit inne zu haben, die Freiheit von dem jeweiligen Objekte des Fastens zu genießen. Wenn ich in der Fastenzeit auf Zucker verzichte, dann feiere ich meine Unabhängigkeit von Zucker. Damit lade ich alle ein bei dieser Aktion mitzumachen und die Freiheit zu zelebrieren und die Lebenslust zu genießen!
Pamir Harvey, Afro-Asiatisches Institut und Arbeitskreis Familienfasttag