Verena Winiwarter

Fleisch fasten ist eine der vielen Möglichkeiten, uns zu besinnen. Viele Kulturen kennen eine Zeit des bewussten Verzichts auf irgendetwas, das zum normalen Leben gehört und als Annehmlichkeit empfunden wird.
Wenn wir die Verführungen zum Konsum Revue passieren lassen, die uns in der Gesellschaft – sie heißt nicht umsonst Konsumgesellschaft – begegnen, bieten sich viele Möglichkeiten des bewussten Verzichtens, von Internetsurfen bis zu den Genuss- und Suchtmitteln, Süßigkeiten und vielem mehr.
Warum dann gerade Fleisch? Ich esse selbst seit einer dramatischen Ernährungsumstellung vor mehreren Jahren kaum Fleisch. Die Praktiken und Logiken der internationalen Agrar- und Nahrungsmittelkonzerne allein wären ja schon ausreichend, um einem den Appetit zu verderben. (Biofleisch ist und bleibt ein Nischenprodukt!) Es geht aber auch um Ernährungssouveränität und Gerechtigkeit: Wir Europäer können Fleisch nur deswegen billig kaufen weil andere dafür teuer bezahlen: Menschen und Umwelt in den Ländern des globalen Südens. Fleisch fasten ist mehr als nur eine Möglichkeit der Besinnung durch Verzicht, es könnte ein erster, persönlicher Schritt zu einem anderen Konsumverhalten sein
Professorin für Umweltgeschichte