Alfred Posch

Wie geht es Ihnen mit der Vorstellung, Sie bekämen ein Messer in die Hand gedrückt und sollten ein Tier – etwa ein Schwein, ein Kalb oder ein Huhn – schlachten? Mir jedenfalls ist klar, dass ich das nicht tun will – und somit ist es auch nur konsequent für mich, kein Fleisch zu essen.
Solche und so ähnliche Überlegungen haben mich vor mehr als zwanzig Jahren dazu veranlasst, auf das Fleischessen zu verzichten. Mittlerweile ist es aber kein Verzicht mehr, es sind nämlich viele gute Gründe dazugekommen, vegetarisch zu leben: Fleisch fasten ist unseren Mitmenschen gegenüber gerecht. Futtermittel, etwa Sojabohnen, werden im großen Stil aus Schwellenländern importiert. Häufig geht die agroindustrielle Produktion zulasten von ohnedies knappen Anbaugebieten für Lebensmittel der lokalen Bevölkerung. Fleisch fasten verringert Tierleid. Abgesehen von der Schlachtung sind die üblichen Methoden der Massentierhaltung und Tiertransporte eigentlich nur erträglich, wenn man „wegschaut“. Fleisch fasten ist aktiver Umwelt- und Klimaschutz. Bezogen auf den Nährwert benötigt man für Fleisch um ein Vielfaches mehr an Energie, Wasser, Dünger, Chemikalien als für vegetarische Lebensmittel. Damit einher geht auch ein Vielfaches an Schadstoffemissionen in Boden, Wasser und Luft. Fleisch zu fasten ist gesund und steigert das Wohlbefinden. Wir alle wissen, dass ein ständiges Übermaß an Fleisch und insbesondere an Fleischprodukten unserer Gesundheit nicht gerade zuträglich ist. Und zugegebenermaßen, mittlerweile würde mir Fleisch wohl auch gar nicht mehr schmecken. Welche sinnvollen Gründe gibt es also angesichts dieser Argumente, nicht Fleisch zu fasten?
Universitätsprofessor