Thorsten Schreiber

Die 200 Millionen Rinder, die dort auf den abgeholzten Flächen gehalten werden, fressen größtenteils Soja aus Indien, werden danach nach Frankreich verschifft und anschließend europaweit verspeist. Diese globalisierte Industrie von Viehzucht hat natürlich fatale Auswirkungen auf Umwelt und Klima. So stammen mehr als 18 Prozent der weltweiten Treibhausgase aus der industriellen Massentierhaltung.
In den letzten vier Jahrzehnten hat sich der weltweite Fleischkonsum vervierfacht. Allein in Österreich kommt man im Schnitt auf 66 ½ kg Fleisch pro Person im Jahr – Tendenz steigend. Damit liegen wir im EU-Vergleich ziemlich weit oben, nämlich an sechster Stelle. Der extreme Fleischkonsum schafft nicht nur gesundheitliche Probleme für uns selbst, er hat auch für das Leben vieler Menschen in anderen Ländern verheerende Konsequenzen. Um diesem Bedarf nachzukommen, muss möglichst viel möglichst schnell produziert werden. Die sogenannte Turbo-Mast gelingt wiederum nur mit einem energiereichen Kraftfutter, das aus Mais, Soja, Fischmehl und Palmfett besteht und die Nutztiere somit zu Nahrungskonkurrenten des Menschen macht. Mehr als ein Drittel der weltweiten Getreideernte, das sind 754 Mio. Tonnen, wird an Tiere verfüttert. Da die Anbauflächen in Europa nicht mehr ausreichen, wird das Futter meist aus Südamerika importiert. Das bedeutet jedoch Armut für die Einheimischen. Riesige ausländische Konzerne bauen großflächig Gen-Soja an und zerstören die wirtschaftliche Existenz der Kleinbauern. Gleichzeitig vergiftet der intensive Einsatz von Pestiziden die Landbevölkerung. Menschen sterben und es treten vermehrt Missbildungen bei Neugeboren auf. Damit das Land für den Sojaanbau frei bleibt, werden die Lager der Armen immer wieder geräumt und die Kleinbauernfamilien unterdrückt. Niemand kümmert sich um sie.
Hungerkatastrophen gehören schon zum Alltag – in einer Welt, die eigentlich einen Überfluss produziert. Jean Ziegler, ehemals UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, drückt es sogar noch drastischer aus: „Jedes Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“
Jesus fastete vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage und 40 Nächte in der Wüste. So lange hatte auch Mose gefastet, bevor er am Berg Sinai von Gott die beiden Tafeln der Bundesurkunde erhielt. Und so faste auch ich durch biblische und christliche Tradition motiviert in den Wochen vor Ostern und mache bei der Aktion „Gerecht leben – Fleisch fasten“ mit, um mich im Verzicht bewusst auf das Fest der Auferstehung Jesu Christi vorzubereiten und auf die globalen Missstände hinsichtlich Fleischproduktion und -konsum hinzuweisen. Gehe ich von dem österr. Durchschnittsfleischverbrauch aus, verzichte ich in dieser Zeit auf über 7 kg Fleisch, betreibe somit Klimaschutz im Kleinen und setze ein winziges Zeichen, um die Lage der Menschen in der „Einen Welt“ zu verbessern.
Regens Priesterseminare Graz-Seckau und Gurk