Margit Brunnthaler

Wie von einem Virus infiziert, den man nicht mehr los wird. So ist es mir ergangen als ich allmählich Vegetarierin wurde. Mein Sohn meinte: „Mama fang den Beitrag nicht so negativ an!“ Ich empfinde es positiv und will damit ausdrücken, dass mich diese Haltung nicht mehr los lässt.
Ich war von Kindheit an gewohnt, nur ein- bis zweimal in der Woche ein Fleischgericht zu bekommen. Meine Großmütter und meine Mutter konnten aus einfachen Zutaten schmackhafte Gerichte zaubern. Weggeworfen wurde so gut wie gar nichts, denn meine Großeltern und Eltern haben Hunger im Krieg erlebt. Ich bin dankbar dafür, dass sie mir diesen respektvollen Umgang mit Lebensmitteln vermittelt haben.
Kochen hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Informationen einholen, woher die Produkte stammen, die ich verkoche, war mir schon immer wichtig. Ich achtete mit der Zeit immer mehr darauf, dass das Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung stammt und habe bald Bauern gefunden, die direkt am Hof schlachten. Intensivtierhaltung und Tiertransporte haben letztendlich Tierleid zur Folge. Ich muss gestehen, dass ich bei Sendungen über Massentierhaltung und Schlachtungen den Sender gewechselt habe, weil mir schlecht wurde. Bei Aktionen von Vereinen gegen Massentierhaltung am Hauptplatz bin ich sofort in die nächste Straßenbahn eingestiegen, um diese grauenhaften Plakate nicht sehen zu müssen. Natürlich waren mir idyllische Sendungen von friedlichen Kühen auf saftigen grünen Wiesen oder Werbungen mit niedlichen Schweinchen, die mit ihrem Bauern sprechen, viel lieber.
Die Aktion „Gerecht leben – Fleisch fasten“ im Jahr 2014 hat mich bewogen, die ganze Fastenzeit über kein Fleisch zu essen. Auch in der Zeit danach ist es mir nicht schwer gefallen, wenig Fleisch und Fleischprodukte zu konsumieren. Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, mein Körper hat keine Lust mehr auf Fleisch.
Im Urlaub bin ich rein zufällig auf Zeitungsberichte über Intensivtierhaltung und ihre Auswirkungen auf Tier, Mensch und Umwelt gestoßen. Jetzt war ich bereit, mich bewusst mit diesem Thema auseinander zu setzen. Mein Interesse wurde immer größer, der Appetit auf Fleisch immer weniger. Eine grauenhafte, aber leider reelle Dokumentation im Fernsehen über Massentierhaltung und Schlachtung hat mich schlussendlich dazu bewogen, auf Fleisch zu verzichten. Inzwischen ist es für mich kein Verzicht mehr. Meine Ernährungsumstellung ist für mich nicht nur eine neue Ernährungsart, sondern auch eine neue Lebensweise. Ich versuche mich bewusster zu ernähren und mich und meine Umwelt sensibler wahrzunehmen.
Natürlich hat meine Umwelt meine Lebensänderung sehr rasch wahrgenommen. Inzwischen haben Freunde und Verwandte akzeptiert, dass ich kein Fleisch esse; auch wenn sie noch immer Sorge haben, dass ich mich mangelhaft ernähren würde. Die Reaktionen waren grundsätzlich positiv, neugierig, mitunter verwundert.
Ich freue mich, dass heuer wieder die Aktion „Gerecht leben – Fleisch fasten“ stattfindet. Ich kann nur allen, die es noch nicht versucht haben, empfehlen sich darauf einzulassen, weniger oder gar kein Fleisch zu essen. Informiert euch aber auch darüber, welche globalen Auswirkungen Fleischkonsum hat.
Angestellte