Josef Zotter

Wir betreiben in Riegersburg auf 95 Hektar eine vollbiologische Landwirtschaft, den Essbaren Tiergarten. Hier vermitteln wir den Besuchern das Konzept: „Schau dem Essen in die Augen und dann entscheide, wie groß dein Schnitzel sein soll.“ Viele Konsument:innen haben meist keine Vorstellung mehr, wo ihr Essen herkommt. Meines Erachtens müssten sich landwirtschaftliche Betriebe mehr öffnen, um wieder eine bessere Beziehung zu ihren Kunden aufzubauen. Fleischessen ist und war schon immer ein hochemotionales Thema. Bei uns wird es daher ab März ein „ÖKO Speck Takel“ geben, um den Besucher:innen die Möglichkeit zu geben, bei der Fleischproduktion zuzuschauen. Es geht um Emotionen, damit die Massenproduktion in Frage gestellt wird, denn auch die Fleischverarbeitung ist nicht schön anzuschauen.
Wir setzen in unserer Bio-Landwirtschaft auf artgerechte Tierhaltung, die weit über die gesetzlichen Normen hinausgeht und betreuen 80 Schweine, 100 Rinder, viele Puten, Hühner, Schafe und Ziegen. Im Essbaren Tiergarten haben wir auch einen vollautomatischen Pilzcontainer aufgestellt, der jeden Monat 250 – 300 Kilogramm Pilze liefert. Hier sieht man das Essen der Zukunft und es gibt einen neuen „fifty fifty“-Burger mit 50 Prozent Fleisch und 50 Prozent Pilzen. Schmeckt super und reduziert den Fleischverbrauch gleich einmal um die Hälfte. Das weniger Fleischessen dem Klima dienlich ist, dürfte ja inzwischen bekannt sein.
Man sollte aber den Fleischkonsum nicht generell verteufeln, sondern über Alternativen nachdenken. Vielleicht hilft eine Fleisch-„Steuer“, denn Steuern steuern ja bekanntlich und wenn Alternativen auch noch günstiger sind, dann ist der Weg frei für ein besseres Leben. Ich persönlich werde immer mehr zum „Auswärtsvegetarier“, um sicher zu sein, wo das Fleisch herkommt und möchte ein bis zweimal pro Woche gute Fleischprodukte genießen dürfen. Dann aber mit Achtung und Genuss, ohne schlechtes Gewissen.